Kreativitätsfördernde Methoden

Kreativität fördern

“Kreativität” als Stichwort fällt immer wieder im Alltag –  und auch im schulischen Kontext. Gerade in Hinblick auf die sich verändernde Berufswelt wird Kreativität und kreatives Denken immer relevanter. Heutige Unternehmen suchen nicht mehr nur Personen mit gutem Fachwissen, da dieses schnell nachgeschlagen werden kann, sondern sind mehr an komplexeren Eigenschaften interessiert. Dies ist nur einer von vielen Gründen, warum es sinnvoll wäre, Kreativität in Schulen zu fördern. Wie kann dies gelingen? – Zum Beispiel mit kreativitätsfördernden Methoden.

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Was sind kreativitätsfördernde Methoden?

→ Um dies zu beantworten, muss zunächst geklärt werden, welche der vielen Kreativitätsdefinitionen hier sinnvoll ist. Kreativität kann im Sinne von Alltagskreativität verstanden werden, wo vor allem die Fähigkeit vom divergenten Denken, also Probleme zu lösen oder alternative Denkwege zu finden im Vordergrund steht. Es geht um das Erleben des kreativen Prozesses sowie den eigenen Nutzen und weniger um die Entwicklung komplexer origineller Ideen.

Methoden werden im engeren Sinn als praktizierte Handlungsweisen oder Techniken für die Gestaltung einzelner Lernaktivitäten verstanden (vgl. Peterßen 1999: 27f.). 

Kreativitätsfördernde Methoden sind insofern Methoden, die besonders auf das Erleben und Entwickeln von neuen Sichtweisen, sowie das Erfahren von andere Denkwegen ausgelegt sind. Hierbei steht die Entwicklung der SuS im Zentrum, sie sollen nicht nur die Antwort auf eine Problemstellung erarbeiten, sondern eine Weiterentwicklung der eigenen Fähigkeiten erfahren. Sie können nach Freitag (2020: 15f.) in verschiedenen Kategorien eingeteilt werden:

Freie Assoziation

Strukturierte Assoziation

Imagination

  • Traumreise, Visionengalerie 
  • Ein weiterer wichtiger Punkt der Kreativitätsförderung neben dem Nutzen von kreativitätsfördernden Methoden stellt die Einstellung der Lehrperson gegenüber kreativem Arbeiten dar. Hattie zufolge zählt der Einfluss der Lehrkraft zu einem der bedeutsamsten Faktoren für einen hohen Lernerfolg (vgl. Hattie 2012: 25ff.). Dies gilt ebenso für die Entfaltung von Kreativität, wobei eine offene und positive Einstellung gegenüber Kreativität seitens der Lehrkraft einen hohen Stellenwert hat. Dies betonen auch Hong et al. (2009: 12): “Teachers with more sophisticated beliefs about knowledge, higher motivation for creative work […] reported encouraging students to use creative skills more so than their peers with lower scores in these attributes.” Somit ist die Motivation eine wichtige Eigenschaft, sowohl die Eigenmotivation als auch die Fähigkeit, die SuS zu begeistern. Förderung von Kreativität im Klassenzimmer wird begünstigt durch das Vorbereiten von Denk- und Handlungsstrategien, sowie durch einen sicheren Wahrnehmungs- und Denkstil der Lehrkraft, die den SuS offen entgegentritt (Haager 2019: 224ff.).

    Daraus ergibt sich, dass sowohl Wissen über kreativitätsfördernde Methoden als auch eine positive Einstellung gegenüber Kreativität in der Schule Voraussetzung ist, um diese im Unterricht zu fördern. 

    In einer Studie aus dem Jahr 2017 fordern 79% der befragten Pädagog:innen, dass Kreativität in allen Unterrichtsfächern gefördert werden sollte und 83% befürworten eine umfassende Reform der Lehrpläne, in denen die Förderung von kreativer Problemlösungskompetenz im Unterricht mehr Berücksichtigung erhält (vgl. Adobe 2018). Allgemein ist die Verwendung von verschiedensten Methoden (Methodenvielfalt) eine Möglichkeit und zugleich ein Merkmal von gutem Unterricht laut Meyer (2004). Durch unterschiedliche und vielseitige Herangehensweisen an einen Lehrgegenstand oder ein Problem erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass Lernende eine für sie passende Möglichkeit finden, neue Informationen zu verarbeiten und mit bereits vorhandenem Wissen zu verknüpfen (vgl. Huber & Hader-Popp 2007: 3). Methodenvielfalt liegt laut Meyer vor, wenn “Reichtum an Inszenierungstechniken, Vielfalt der Handlungsmuster, Variabilität der Verlaufsformen und Ausbalancierung der methodischen Großformen gegeben sind.” (2004: 17). Hattie zufolge haben verschiedene Methoden einen deutlich positiven Effekt auf die Lernleistung. Hattie betont, dass Lehrkräfte in der Lage sein sollen, multiple Wege zum Wissen, Interagieren und Üben anzubieten (vgl. 2012: 186). Demnach gelten Kenntnisse über verschiedene Methoden und deren zielgemäßer Anwendung zu den Kernkompetenzen jedes und jeder Lehrenden.

    “Kreativität zu fördern ist zu jeder Zeit und in jedem Bereich möglich, denn sie ist disziplinlos.”

    (Braun et al. 2019: 186)

    Insofern sind kreativitätsfördernde Methoden eine schöne Möglichkeit, Kreativität im Schulalltag zu fördern.  Wie das Zitat von Braun deutlich macht kann dies mit einigen Anpassungen in jedem Fachbereich passieren.

    Einige kreativitätsfördernde Methoden wurden bereits im Blogbeitrag aufgelistet. Unter dem #Kreativität finden sich noch mehr Methoden rund um Kreativität.

    Literatur:

    • Adobe (2018). „Creative Problem Solving: Essential Skills Today’s Students Need for Jobs in Tomorrow’s Age of Automation“, in http://cps.adobeeducate.com (letzter Zugriff 05.10.2021).
    • Braun, Daniela & Krause Sascha et al. (2019). Handbuch Kreativitätsförderung; Didaktik und Methodik in der Frühpädagogik. Freiburg: Herder.
    • Freitag, Egon (2020). Kreativitätstechniken. Tübingen: Expert Verlag.
    • Haager, Sophie J. (2019). „Die Schaffung kreativer Rahmenbedingungen: Was die Schule tun kann“, in Kreativität in der Schule: finden, fördern, leben“,  hrsg. von  J. Haager, T. Baudson, Wiesbaden: Springer, 219-236.
    • Hattie, John (2012). Visible Learning for Teachers: Maximizing impact on Learning. London: Routledge.
    • Hong ,Eunsook & Hartzell, Stephanie et. al (2019). „Fostering creativity in the classroom: Effects of teachers’ epistemological beliefs, motivation, and goal orientation.“ The Journal of Creative Behavior, 43, 192–208.
    • Huber, Stefan G. & Hader-Popp, Sigrid (2007). „Unterrichtsentwicklung durch Methodenvielfalt im Unterricht fördern: Das Methodenatelier als schulinterne Fortbildung.“ in: Praxis Wissen Schulleitung, hrsg. von A. Bartz, J. Fabian et al., München: Wolters Kluwer, München, 1-25.
    • Meyer, Hilbert (2004). Was ist guter Unterricht? Berlin: Cornelsen Verlag Scriptor.
    • Peterßen, Wilhelm H. (1999). Kleines Methoden-Lexikon. München: Oldenbourg Schulbuchverlag.

    Außerdem thematisch weiterführende Literatur:

    • Nett, Nadine (2019). „Kreativität – was ist das überhaupt?“  in Kreativität in der Schule: finden, fördern, leben, hrsg. von  J. Haager, T. Baudson, Wiesbaden: Springer, 3-22.
    • Kaiser, Astrid (2006). Der Überblick: Vielfältige Methoden für zukunftigen Unterricht. in Unterrichtsmethoden – kreativ und vielfältig, hrsg. von  M. Bönsch, A. Kaiser, Baltmannsweiler: Schneider-Verl. Hohengehren.

    Urban, Klaus K. (2004). Kreativität: Herausforderung für Schule, Wissenschaft und Gesellschaft. Münster: LIT Verlag.