Impuls-Lesen

Das Impulslesen ist eine ab der dritten Jahrgangsstufe empfohlene Methode, mit der Schülerinnen und Schüler lernen Texte „aktiv zu lesen“ (Brenner & Brenner, 2012, S. 101). Hierbei bekommen die Schülerinnen und Schüler einen Text vorgelegt, den sie zunächst überfliegen und danach, während eines intensiveren Leseprozesses, mit Markierungen versehen sollen. Diese Markierungen werden in einer darauf folgenden Gruppenarbeit besprochen.

Brenner und Brenner (2012, S.102) schlagen zur Markierung des Textes während der Lesephase einheitliche Symbole vor. So wird beispielsweise ein Ausrufezeichen „!“ hinter Informationen geschrieben, die für den einzelnen Schüler / die einzelne Schülerin neu sind. Ein „Häkchen“ wird hinter bereits bekannte Informationen gesetzt. Unklare Passagen des Textes werden mit zwei Fragezeichen „??“ markiert und Textstellen, die bei den Schülern Fragen aufwerfen, durch ein Fragezeichen mit darauf folgendem Ausrufezeichen „?!“ gekennzeichnet. Textstellen, die der Schüler oder die Schülerin noch einmal in der Gruppe thematisieren möchte, sollen mit drei Punkten versehen werden „…“.

Nach dieser Lesephase, die als Einzelarbeit erfolgt, soll die Klasse in Gruppen die so markierten Textstellen besprechen und dabei Symbol für Symbol vorgehen. Es empfiehlt sich, unklare Textstellen und Passagen, zu denen Fragen aufgekommen sind, besonders zu behandeln. Dies stärkt sowohl die Selbst- als auch die Sozialkompetenz der Schülerinnen und Schüler, da sie dadurch sowohl lernen die Hilfe Gleichaltriger anzunehmen als auch selbst Mitschülern zu helfen. Im letzten Schritt werden noch offene Fragen, die durch die Gruppenarbeit nicht beantwortet wurden, im Plenum mit der Lehrkraft besprochen und geklärt.

Differenzierungsmöglichkeiten

Eine Umwandlung dieser Methode eignet sich beispielsweise dann, wenn die zeitlichen Ressourcen beschränkt sind. Da Gruppenarbeiten und die vorherige Gruppenfindung viel Zeit benötigen, ist es möglich die Gruppenphase durch Partnerarbeit zu ersetzen. Hier empfiehlt es sich, dass Schülerinnen und Schüler mit einer stärkeren Kompetenz im Leseverstehen mit Schülerinnen und Schülern mit einer eher schwächeren Lesekompetenz zusammenarbeiten. Beachtet werden sollte aber auch, dass diese Methode in Partnerarbeit ein höheres Frustrationsrisiko gerade für Schülerinnen und Schülern mit schwächerer Lesekompetenz bergen könnte. Langsamer lesende Schüler und Schülerinnen können nur einzelne Abschnitte des Textes lesen, so wäre der Umfang des Textes variabel je nach Lesekompetenz zu gestalten.

Tipps

Zunächst bietet es sich an, die einzelnen Symbole mit ihrer Bedeutung an die Tafel zu schreiben oder den Schülerinnen und Schülern als ausgedrucktes Material zur Orientierung zur Verfügung zu stellen.

Bei der Gruppeneinteilung sollte darauf geachtet werden, dass die Gruppen heterogen zusammengesetzt sind. Also sollten sowohl in der Lesekompetenz stärkere Schülerinnen und Schüler als auch dort schwächere Schülerinnen und Schüler zusammenarbeiten. Für einen geregelten Ablauf in der Gruppenphase könnte es außerdem sinnvoll sein, einen Gruppenmoderator festzulegen. Diese Schülerin oder dieser Schüler fragt nacheinander die einzelnen Symbole ab und achtet darauf, dass jedes Kind mit seinen individuellen Fragen und Anmerkungen die Chance bekommt, diese in die Gruppe hineinzutragen.

Die Methode eignet sich vor allem dann, wenn beispielsweise Sachtexte mit neuen fach- und bildungssprachlichen Wörtern eingeführt werden oder ein spezieller Text im Mittelpunkt einer Unterrichtseinheit steht.

Material

Die Schüler und Schülerinnen benötigen den zu bearbeitenden Text in einer kopierten Version, um ihn mit den für die Methode spezifischen Markierungen versehen zu können.

Quellen

Brenner, G. & Brenner, K. (Hrsg.) (2012). 80 Methoden für die Grundschule. Berlin: Cornelsen.

Paradies, L. & Linsen, H. J. (2001). Differenzieren im Unterricht. Berlin: Cornelsen.

Scholz, I. (2012). Das heterogene Klassenzimmer. Differenziert unterrichten. Göttingen: Vandenhoek & Ruprecht.