Streitgespräch

Bei der Methode „Streitgespräch“ erhalten die SuS die Aufgabe, in einer simulierten Konkurrenzsituation die von ihnen übernommenen Rollen argumentativ zu vertreten. Das Streitgespräch unterscheidet sich von der Methode „Rollenspiel“, indem es sich mit der rein verbalen Auseinandersetzung einer Vorlage beschäftigt und somit weniger Zeit-und Arbeitsaufwendig ist. Andersrum kann gesagt werden, dass ein „Streitgespräch“ oft Bestandteil eines „Rollenspiels“ ist. Von der Methode „Debatte“ grenzt sich das „Streitgespräch“ ab, da hier den SuS feste Rollen zugewiesen werden, auf die sie sich vorbereiten müssen. Die SuS benötigen vorweg genügend Zeit, um sich entsprechend mit ihrer Position, möglichen Thesen und Argumenten auseinander zu setzten.

Für ein „Streitgespräch“ sind mindestens vier verschiedene Rollen zu besetzten, welche optisch und räumlich voneinander abgegrenzt werden sollten: Gesprächsleiter, Befürworter, Gegner und Beobachter. Bis auf den Gesprächsleiter können alle Rollen mehrfach besetzt werden. Der Gesprächsleiter hat oft die schwierigste Rolle inne, da er spontan auf Äußerungen reagieren muss und seine Rolle somit weniger als die anderen vorbereiten kann. Vorab müssen den Beobachtern klare Beobachtungsaufgaben gestellt werden. Sie übernehmen somit die Schiedsrichter- bzw. Auswerter-Funktion. Der Befürworter verteidigt seine Position, der Gegner versucht diese zu entkräften und somit die Gegenposition zu bezeugen. Vor Beginn des „Streitgesprächs“ sollten klare Regeln zum formalen Gesprächsablauf aufgestellt werden, z.B. dass die SuS sich gegenseitig aussprechen lassen, einander zuhören oder sich an sich an die, vom Gesprächsleiter vorgegebene, Rednerliste halten. Vor allem aber sollte vermieden werden, dass die Diskussion von Vorurteilen und unbegründeten Behauptungen geleitet wird. Denn Ziel des „Streitgesprächs“ ist eine vertiefende Auseinandersetzung mit einem komplexen Thema, indem das zuvor erworbene Wissen geschickt eingesetzt, argumentativ unterlegt und überprüft wird. Der Gesprächsleiter sollte auf die Einhaltung aller Regeln achten und bestehen. Bei der Vorbereitung des „Streitgesprächs“ muss außerdem darauf geachtet werden, ein Thema zu wählen, dass sich zur Pro/-Contra Diskussion eignet, um die verschieden Positionen deutlich voneinander abgrenzen zu können. Im Anschluss an das „Streitgespräch“ sollte das Geschehene im Plenum ausgewertet werden. Es ist wichtig darauf zu achten, die Rollenträger nicht sofort zu kritisieren, sodass sie die Möglichkeit erhalten, ihre Handlungen selbständig zu reflektieren.

Differenzierungsmöglichkeiten

An erster Stelle wird durch die unterschiedliche Rollenzuweisungen an die SuS differenziert. Schüchternere SuS können sich beispielsweise eher den Aufgaben der Beobachter widmen, die wiederum durch unterschiedliche Beobachtungsaufgaben differenziert werden. Die Unterschiedlichen Variationen bieten ebenfalls Differenzierungsmöglichkeiten.

Tipps

Um die Aktivierung alle SuS zu gewährleisten, sollte darauf geachtet werden, dass auch die passiven Rollen der Beobachter mit einer bestimmten Beobachtungsaufgabe verbunden sind, welche später in der Auswertung angesprochen, reflektiert und gesichert werden.

Falls man eine genaue inhaltliche und sprachliche Reflexion des „Streitgesprächs“ ermöglichen möchte, kann man dieses auch per Video aufzeichnen, um es mit allen SuS besprechen und auswerten zu können.

Material

  •  Rollenkarten, auf denen die jeweilige zu übernehmende Rolle und ihre Ansichten beschrieben sind
  • evtl. Requisiten, um das „Streitgespräch“ etwas lebendiger zu gestalten

Variation

Je nachdem, ob Vorwissen der SuS besteht oder nicht, nimmt das „Streitgespräch“ unterschiedlich viel Zeit in Anspruch (zeitliche Variation). Ist bei den  und SuS bereits differenziertes Wissen vorhanden, sind auch Argumente der jeweiligen Position schon größtenteils bekannt. Anders ist es, wenn es sich um den ersten Kontakt der SuS mit dem Thema handelt. Hat eine intensivere Auseinandersetzung der SuS mit dem Thema schon vorher stattgefunden, besteht die Vorbereitung auf das Streitgespräch nur noch darin, die einzunehmenden Positionen durch Rollenkarten zu unterstützen, in denen beispielsweise einige Charakteristika der Rollen angesprochen werden. Ist die Thematik neu für die SuS, muss vor dem „Streitgespräch“ eine Erarbeitungsphase stattfinden, in denen sie sich ausführlich ihre Positionen skizzieren und Argumente zurechtlegen können. Außerdem kann in jüngeren Jahrgangstufe ein wenig regelgeleiteter Verlauf des „Streitgesprächs“ dadurch vermieden werden, dass die Rolle des Gesprächsleiters von der Lehrperson übernommen wird, welche mit gezielten Fragestellungen, Impulsen aber auch Ermahnungen an die vereinbarten Regeln erinnert und das Gespräch in die richtige Richtung lenkt. Eine weitere Variation liegt darin, vor Beginn des Streitgesprächs den sogenannten „Einflüsterer“ oder „Ghost-Speaker“ festzulegen, welcher den Diskutierenden weitere Argumente zuflüstern kann, wenn diese in Erklärungsnot geraten.

Quellen

  • GREVING, Johannes; PARADIES, LIANE: Unterrichts-Einstiege. Cornelsen-Scriptor. 4. Auflage, Seite 179 f., 2002
  • http://home.uni-leipzig.de/Methodenkarten_Streitgespraech.pdf, 21.05.2017, 14:06 Uhr