Meinungslinie

Für die Meinungslinie zieht man im Klassenraum mit Kreide oder Klebeband eine etwa 6-10 Meter lange Linie an dessen Enden thematisch gegensätzliche Positionierungen angebracht sind. So könnte, angewandt auf den Geschichtsunterricht der 11ten Klasse, zum Beispiel am einen Ende die Aussage stehen: „Bischof Las Casas sprach sich nur dafür aus die Ausbeutung der indigenen Bevölkerung zu unterlassen, um die Expansionsmöglichkeiten des Christentums zu erweitern“ und am anderen Ende könnte es heißen: „Las Casas handelte aus moralisch-religiöser Überzeugung.“.
Die Schülerinnen und Schüler können sich nun je nach dem zu welcher Seite sie nach ihrer persönlichen Überzeugung tendieren auf der Linie physisch positionieren. Dabei können sie sich an die Enden stellen, um ihre volle Zustimmung zur These zu signalisieren oder eine neutralere Position in der Mitte einnehmen.
Nun kommt die Lehrkraft ins Spiel und beginnt die Diskussion voranzutreiben. Zunächst können die Schülerinnen und Schüler, die sich ähnlich positioniert, austauschen. Dann erfragt die Lehrkraft die Gründe für die Positionierung, möglichst an den „extremen“ Enden. Aufgrund der räumlichen Positionierung und des vorigen Meinungsaustausches kann so eine Diskussion zwischen den Meinungsgruppen hergestellt werden. Die Reflexionskompetenzen der Schülerinnen und Schüler werden dadurch ebenso gestärkt wie Fähigkeit eine Debatte zu führen. Sobald die Diskussion ein sinnvolles Ende gefunden hat kann die Lehrkraft das Thema mit anderen Methoden vertiefen und hat dabei ein Stück weit emotionale und gedankliche Teilnahme erreicht. Die Visualisierung der unterschiedlichen Positionen regt noch mehr zur Diskussion an. Die Schülerinnen und Schüler befinden sich quasi beim Aufstellen bereits räumlich im Meinungsaustausch.

Differenzierungsmöglichkeiten

Die Differenzierungsmöglichkeiten bei dieser Unterrichtsmethode sind vielfältig. Für geisteswissenschaftlichen Unterricht, indem Rede- und Analysekompetenzen gestärkt werden sollen, können auf diese Weise auch provokante Themen behandelt werden. Zu jeder Unterrichtseinheit lassen sich Grundpositionen finden, die Mithilfe der Meinungslinie erörtert werden. Auf die Bedürfnisse und Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler kann bei der Auswahl der Grundposition Rücksicht genommen werden. Eher stillere Schülerinnen und Schüler können, falls nicht bloßstellend angewandt, speziell nach ihrer Meinung gefragt werden.

Tipps

Die Methode bietet sich an, um etwas Bewegung und einen Ortswechsel in der Klasse zu ermöglichen.

Material

Für die Methode ist wenig bis gar kein Material nötig. An den Enden der Linie können Plakate mit den Positionen angebracht werden, es reicht jedoch auch der simple Einsatz von Kreide auf dem Boden.

 

Variation

Die Lehrkraft kann frei entscheiden wie und wann sie auf die Äußerungen der Schülerinnen und Schüler eingeht. So kann entweder eine Diskussion frei entwickelt werden oder die Lehrkraft fragt bei bestimmten Gedanken näher nach oder fordert zu einer Reaktion auf eine These auf und lenkt damit die Diskussion in eine bestimmte Richtung.
Mit Hilfe elektronischer Medien könnte man das Ergebnis auch noch an die Tafel projizieren, um die Visualisierung auch dann aufrecht zu erhalten, wenn die Schülerinnen und Schüler sich bereits wieder hingesetzt haben.

Quellen

Boelmann, Jan: Umgang mit dem interaktiven Whiteboard. Das Einsteigerbuch, Augsburg 2015.

Lange, Christina: Was sagt mir Dietrich Bonhoeffer? Zugänge für den RU in Sek I und II, Göttingen 2017.

Kress, Karin: Binnendifferenzierung in der Sekundarstufe – Das Praxisbuch. Profi-Tipps und Materialien aus der Lehrerfortbildung, Donauwörth 2013.